6.) Tönissteiner Sprudel

Anfahrt aus Richtung Bonn: B9 entlang des Rheins bis Brohl. Dort in das Brohltal Richtung Burgbrohl, Niederzissen abbiegen. An der Schweppenburg nach links zum Tönissteiner Brunnen abbiegen(ausgeschildert). Vor dem Werksgelände Besucherparkplatz.

Hinweis: Auf dem Werksgelände ist Rauchverbot!

Geokoordinaten:  N50.46271 , E7.31341

Betreuer:  Prof. Dr. Jean Thein, Natascha Kuhlmann


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Im Pönterbachtal, einem kleinen Nebental des Brohltales, erschließt der Privatbrun-nen Tönissteiner Sprudel, Mineralwasser aus einer Schiefer- und Sandsteinfolge der mittleren Siegen-Schichten des Unteren Devons, die während der Variskischen Gebirgsbildung gegen Ende der Karbonzeit zum Rheinischen Schiefergebirge aufgefaltet wurden. Das Pönterbachtal befindet sich im Südostflügel des großen Sattels von Hönningen-Seifen.

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Abfüllbetrieb des Tönissteiner Sprudel im Pönterbachtal, das tief in die Hochfläche des Schiefergebirges eingeschnitten ist. Oben links Das Rheintal.
(Foto: Privatbrunnen Tönissteiner Sprudel)

Auf dem Betriebsgelände werden die steilgestellten Siegen-Schichten von hellgrau-em Trass überlagert, einem pyroklastischen Gestein, das sich aus Glutwolken des Laacher See Ausbruchs vor ca. 12.900 Jahren bildete. Deren Ablagerungen füllten das Brohltal bis zu 60 Meter auf.

Das Mineralwasser im Pönterbachtal ist, wie viele andere Mineralwässer in der Osteifel und am Mittelrhein, an den jungen, quartärzeitlichen Vulkanismus gebunden. Nord-Süd streichende jüngere Störungs- und Kluftsysteme und Zerrüttungszonen in den Faltenscheiteln sind die Aufstiegswege für die kohlensäurereichen Wässer aus der Tiefe. Die Inhaltstoffe, die für den hervorragenden Geschmack und die ausgezeichnete Qualität dieser Mineralwässer verantwortlich sind, sind das Ergebnis komplexer Lösungs- und Mischungsprozesse von Grundwässern, in Wechselwirkung mit den grundwasserführenden Gesteinen und dem Kohlenstoffdioxid (CO2) vulkanischer Herkunft. Letzteres stammt aus der Entgasung von Magmen im oberen Erdmantel und in einer Magmenkammer die sich nur wenige Kilometer tief unter dem Laacher See befindet.
Auf dem Betriebsgelände befindet sich ein alter Heilbrunnen, der die älteste, schon von den Römern etwa 50 v.Ch. genutzte Mineralquelle in Deutschland darstellt. Rö-mische Quellsteine und zahlreiche Münzen, die beim Bau der neuen Brunnen gefunden wurden, zeugen von der mehr als 2000 Jahre langen Nutzung der Mineralwasservorkommen im Pönterbachtal. Auch in kurfürstlicher Zeit wurden die heilenden Eigenschaften dieses Gesundbrunnens geschätzt, wie die Lobpreisung des kurtrierischen Leibarztes Dr. Cohausen im Jahre 1748 auf der Tafel neben dem Brunnen eindrucksvoll belegt.

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Schaubrunnen auf dem Gelände des Tönissteiner Spru-dels. Das in großer Tiefe (der Brunnen erreicht 652 m) angebohrte Mineralwasser schießt aufgrund des hohen CO2-Gehaltes periodisch selbständig in die Höhe. Dieser sogenannte „Kaltwassergeysir“
wird nur durch die Glaskuppel daran gehindert mehrere Meter aufzusteigen.
(Foto: Privatbrunnen Tönissteiner Sprudel)

Der Name des heutigen Sprudels „Tönisstein“ leitet sich vom „Hl. Antonius dem Einsiedler“, im Volksmund auch „Toni mit der Sau“ genannt, dem Schutzheiligen eines Carmeliterklosters ab, das bis 1830 nahe am Quellgebiet stand. Aus „Antoniusstein“ wurde schließlich „Tönisstein“.

Inzwischen gibt es mehrere Tiefbrunnen im Pönterbachtal, die zur Abfüllung von Mineralwasser und der Gewinnung von CO2-Gas genutzt werden. Sie erreichen Tiefen zwischen 130 und 652 m. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Gasführung, die hydrochemische Zusammensetzung und damit auch der Geschmack der Wässer. Es handelt sich bei Innen um eisenhaltige Magnesium-Calcium-Hydrogenkarbonat-Säuerlinge, bzw. um Natrium-Hydrogenkarbonat-Säuerlinge, die sehr reich an freiem Kohlenstoffdioxid sind. Das Wasser wird als Tönnissteiner Exclusiv, Tönissteiner Classic, Medium, Naturelle und in Form vieler anderer Mixprodukte in den Handel gebracht.

Weiterführende Literatur:

Jantos, K. & Thein, J (2007): Tönissteiner Mineralwasser. - in: Koenigswald v. W. & Simon, K.-F. (eds): GeoRallye Spurensuche in der Erdgeschichte.- 306-309, Bou-vier, Bonn

Stoffels, M. & Thein, J. (2000): Die Mineral- und Heilquellen der Region Brohl-tal/Laacher See. – 74 S., Görres, Koblenz