Blätterkohle und Honigbiene - Fossillagerstätte Rott

Anfahrt: von Bonn über die A565, auf die A59 (Dreieck Bonn-Ost), auf die A560 (Dreieck St. Augustin-West, Abfahrt Hennef(Sieg)-West, auf die L333 (Richtung Siegburg), im Gewerbegebiet links abbiegen (L331) Richtung Sportschule/Hennef-Rott. In Rott-Söven der L331 durch den Ort folgen Richtung Oberpleis. Am Ortsausgang von Rott-Söven zunächst nach rechts und dann nach links in die Blankenbacher Straße einbiegen und bis zum Kreuz vorfahren.

Hinweis:

Der Informationsstand befindet sich direkt an der Landstraße.

Die Halden des Bergbaues von Rott sind eingetragene Bodendenkmäler und dürfen nicht betreten werden.

Geokoordinaten: 32 U 378708.27 m E; 5622741.48 m N

Betreuer: Dr. Georg Heumann, M Sc. Romina Hielscher, M Sc. Anne Schubert,  Dipl.-Geol Kai Jäger

 
 


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Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde im rechtsrheinischen Bonner Stadtgebiet und im angrenzenden Rhein-Sieg-Kreis Braunkohlen, Ölschiefer und Blätterkohlen bergmännisch unter Tage abgebaut. Während die Spuren dieses vor- und frühindustriellen Bergbaus in unserer Region fast gänzlich verschwunden sind, erregen die Blätterkohlen und ihr Fossilinhalt bis heute das Interesse der Wissenschaftler.

 

Wie kam es zur Bildung dieser Lagerstätte?

 

Nach einer ersten Phase des Siebengebirgs-Vulkanismus (Abb. 1) breitete sich im mittleren Tertiär vor rund 25 Millionen Jahren auf den vulkanischen Aschen eine Seen- und Flusslandschaft aus. Das heutige Rheinland erhob sich damals nur wenig über den Meeresspiegel hinaus. Die Pflanzen und die Tiere dieser Landschaft wurden nach ihrem Tod in einem feinkörnigen Sediment (Faulschlamm) in einem See abgelagert. Aus diesem Faulschlamm entwickelte sich der Ölschiefer von Rott. Durch den raschen Sauerstoffabschluss im Sediment sind die Fossilien z.T. ganz vorzüglich überliefert.

 Abb. 1: Blick von Rott auf das Siebengebirge mit dem markanten Ölberg-Vulkan.

Durch die Fossilien wissen wir über die einst herrschenden Lebensbedingungen recht genau Bescheid. So kann man z.B. sichere Anhaltspunkte für das Klima zur Zeit des Sees von Rott finden. Da sowohl Blätter von Palmen wie Reste von Krokodilen gefunden wurden, muss es so warm gewesen sein, dass diese Arten überleben und sich fortpflanzen konnten. Nach der überlieferten Vegetation kann man sich einem dichten, feucht-warmen Laubwald mit Sumpfzypressen, Magnolien, Lorbeergewächsen und Palmen vorstellen, wie er heute noch in subtropischen Gebieten vorkommen. Am Ufer des Sees wuchsen Seerosengewächse und andere Wasserpflanzen.

 

Im See lebten mehrere Fischarten: Weißfische, Schleien, Stinte und Hechte. Im Gegensatz zu vielen anderen Seeablagerungen sind in Rott auch zahlreiche Wasserinsekten überliefert. In großer Zahl wurden die wasserlebenden Larven der Libellen gefunden. Viel seltener sind dagegen die zartflügeligen Insekten, die vom Land her in den See eingetragen wurden. Darunter finden sich Käfer, Termiten, geflügelte Ameisen und, als eine weitere Besonderheit, sogar Bienen. Sie zeigen an ihren Beinen die wohl ausgebildeten Körbchen zum Einsammeln des Blütenpollen (Abb. 2).

 

Abb. 2: Die Honigbiene Apis(Synapis) henshawi dormiens aus Rott mit ausgebildeten Körbchen zum Einsammeln der Blütenpollen.

Aus der Uferregion sind viele Frösche, zum Teil als Kaulquappen, überliefert, dazu Molche und sogar der Riesensalamander 'Andrias', der heute noch in Japan vorkommt. Schildkröten, Schlangen und Krokodile gehörten ebenso zur Lebensgemeinschaft wie die Vögel, von denen nur wenige Reste, besonders Federn, überliefert sind. Unter den Säugetieren gibt es ein kurzbeiniges Nashorn und eine ausgestorbene Gruppe von Paarhufern, die den Namen 'Kohlenschweine' erhalten hat, weil sie immer wieder in Kohleablagerungen gefunden wurde. Mehrere Arten kleiner Hirschverwandter, die damals alle noch keine Geweihe trugen, wurden gefunden. Von den Raubtieren, die sicher vorhanden waren, sind nur wenige Reste überliefert. Bei den kleinen Tieren sind die Hasen besonders wichtig, denn an ihrem Endwicklungsstand kann man das Alter der Fundstelle in das oberste Oligozän einstufen. Zahlreiche Zähnchen weiterer kleiner Nagetiere bestätigten diese ökologische und altersmäßige Zuordnung.

 

Die besondere Bedeutung der Fossillagerstätte Rott liegt darin, dass hier ein exzellenter Einblick in den Lebensraum eines Sees im Oberoligozän gegeben wird. Erfreulicherweise sind hier Pflanzen- und Tierreste gemeinsam überliefert. Dadurch kann der Entwicklungsstand beider Gruppen miteinander verglichen werden. Daraus folgen wiederum wichtige Anhaltspunkte für die Altersstellung anderer Fundplätze in Europa. Für die Wirbeltiere ist die Überlieferung von vollständigen Skeletten besonders wertvoll, weil viele andere Fundstellen oft nur einzelne Knochen oder Zähne geliefert haben.

 

Betrachtet man die Zusammensetzung der Fauna unter globalen Gesichtspunkten, dann fällt auf, dass die afrikanischen Gruppen (z.B. Elefanten, Affen) in der Fauna fehlen. Diese konnten erst später, nämlich erst mit dem Beginn des Miozäns einwandern, als sich die afrikanische Kontinentalplatte der europäischen hinreichend genähert hatte.

 

Heute sind fossilführenden Schichten nirgendwo mehr direkt zugänglich. Die Halden der alten Bergwerke stehen als Bodendenkmäler unter gesetzlichem Schutz. Die Fossilien von Rott werden im Stadtmuseum in Siegburg (www.siegburg.de) und im Goldfuss-Museum des Institutes für Paläontologie der Universität Bonn (www.paleontology.uni-bonn.de) gezeigt.

Literatur:

 

Falk, F. (2002): Ein vergessenes rheinisches Braunkohlenrevier – Braunkohlenbergbau unter Tage am Nordabfall des Siebengebirges. - Veröffentlichungen des Geschichts- und Altertumsvereins für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis e. V., 22, 362 S.; Siegburg.

 

von Koenigswald, W. [Hrsg.](1996): Fossillagerstätte Rott. (2. Aufl.; 110 S.) - Siegburg (110 S. Rheinlandia Verlag).

 

Mörs, Th. (1995): Die Sedimentationsgeschichte der Fossillagerstätte Rott und ihre Alterseinstufung anhand neuer Säugetierfunde (Oberoligozän, Rheinland). - Courier Forschungsinstitut Senckenberg, 187, 129 S.; Frankfurt a. M.