Der Stenzelberg: Latit

Anfahrt: Von Oberdollendorf Richtung Heisterbacherrott Fast auf der Kuppe liegt rechts der Parkplatz „am  Mantel“. Zu Fuß Richtung Einkehrhaus bergauf. An der 1. Möglichkeit scharf links abbiegen und um den

Stenzelberg herum in das Steinbruchrevier.

Geokoordinaten: 7.22519/50.69133; 267 m ü. NN

Betreuer: PD Dr. Thorsten Nagel, Matthias Hauke


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Der Baustein des Klosters Heisterbach...

(Text: Irma Schmid)

Der Stenzelberg, 287 Meter hoch, liegt südwestlich von Heisterbacherrott.
Er besteht aus Latit, einem hellen quarzhaltigen Gestein.
 
Am Stenzelberg wurden 600 Jahre lang Steine gebrochen, vom Mittelalter bis 1931. Viele Kirchen
der Umgebung bestehen ganz oder teilweise aus Werksteinen vom Stenzelberg. Das beeindruckendste Beispiel ist die Ruine der ehemals mächtigen Klosterkirche Heisterbach ganz in der Nähe.  Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kuppe des Berges fast vollständig abgetragen. Dabei wurde sie nicht, wie meist üblich, durch einen einzelnen großen Steinbruch von innen her ausgehöhlt,
sondern in zahlreichen kleinen Steinbrüchen vom Rand zur Mitte hin abgetragen. Nur der Kern der Kuppe blieb als Klippe stehen, um die man heute herumlaufen kann (Abb. 1). Den Abraum kippte man meist den Westhang hinunter. Ein Teil der Abraums wurde später an der Ostseite des Berges aufgeschüttet und eingeebnet. So entstand die Wiese südöstlich des Rundweges, die früher als Sportplatz genutzt wurde.


 

Abb. 1: Der ehemalige Steinbruch auf dem Stenzelberg mit den „Umläufern“. Foto: OS
 
Latit ist ein vulkanisches Gestein, welches – wie der Trachyt des Drachenfels – aus einer Magmakammer stammt. Im Gegensatz zu Trachyt ist Latit aber weniger differenziert („gereift“) als Trachyt. Das Magma (die Gesteinsschmelze) des Stenzelbergs stieg vor rund 25 Ma aus der Magmakammer auf. Als Aufstiegsweg diente wahrscheinlich ein Vulkanschlot, den ein früherer Vulkanausbruch hinterlassen hatte. Das Magma gelangte jedoch nicht bis an die Erdoberfläche, sondern blieb als „Pfropf“ in einer Tuffdecke stecken, die vorausgegangene (plinianische) Vulkanausbrüche angehäuft hatten. Im Tuff erstarrte die Schmelze zu einer Quellkuppe aus Latitgestein.
Der heutige Stenzelberg wurde erst im Laufe der Zeit durch Erosion herauspräpariert: Die weiche Tuffdecke wurde abgetragen. Der härtere Latit wurde nur wenig erodiert und blieb als Kuppe stehen.
Der Latit des Stenzelbergs besteht hauptsächlich aus den Mineralen Feldspat, Quarz und Hornblende (ein Amphibol). Er hat eine phorphyrische Struktur: Die meisten Kristalle sind sehr klein und
erscheinen als mehr oder weniger homogene Grundmasse. In dieser Grundmasse sieht man einzelne, deutlich größere Hornblendekristalle eingebettet (Abb. 2).


 

Abb. 2: Hornblendekristalle (Amphibol) im Quarzlatit des Stenzelberges Foto: KFS
 
Die großen Hornblendekristalle entstanden in der Magmakammer, wo sie in der Schmelze langsam und ungestört wachsen konnten. Als das Magma aufstieg und schnell erstarrte, kristallisierten die restlichen Minerale der Schmelze rasch zu deutlich kleinern Kristallen aus.
Hornblendekristalle sind schwarz-glänzend und meist leistenförmig. Die schönsten Exemplare findet man an der Nordseite des Steinbruchs. Manche sind perfekt ausgebildet und bis über 2 cm groß.
Häufiger sind allerdings kleinere Exemplare zu finden, die verwittert und abgesplittert sind.
Eine Besonderheit des Stenzelbergs sind die Umläufer. Dies sind bis zu 10 m hohe, runde Säulen, meist in der Wand des Steinbruchs sichtbar. Der auffälligste Umläufer steht frei auf dem Steinbruchplateau (Abb. 3). Einige liegen auch umgestürzt auf dem Steinbruchgelände.


 

Abb. 3: Der „Campanile“, der spektakulärste Umläufer des Stenzelberges. Foto: KFS
 
Die Umläufer wurden von den Steinbrechern nicht genutzt, da sie aus minderwertigem Gestein bestehen. Der Latit der Umläufer wirkt unregelmäßig und bröselig. Die Säulen sind aus zwiebelschalenartigen Lamellen aufgebaut, die einen rauhen Kern umgeben. Einzelne Lamellen sind durch Eisenhydroxyd braun verfärbt.In den Steinbruchwänden stehen die Umläufer zwischen eckigen Latit-Pfeilern gleicher Größenordnung, die aus solidem Gestein bestehen.
Die Entstehung der Umläufer war lange Zeit unklar und ist auch heute noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Wahrscheinlich entstanden sie aus den eckigen Latitpfeilern. Durch besonders breite Spalten (Klüfte) drang Wasser ein und sickerte anschließend ins Innere der Pfeiler. Dadurch wurde der Latit im Laufe langer Zeiträume chemisch verändert.